Es war irgendwie überfällig und Patrick hatte schon länger um die „Westfrankenreich“-Reihe herumgeschlichen. Auf der Spielemesse wurde dann der erste Teil gekauft und er kam Dienstag auch schließlich auf den Tisch.

In „Architekten des Westfrankenreichs“ spielt man Baumeister, die sich daran machen mit Bauten und der Unterstützung bei Errichtung einer Kathedrale Pluspunkte beim König zu sammeln. Oder wie es der offizielle Hintergrund aussagt:

Architekten des Westfrankenreichs spielt zum Ende der Karolingerzeit, um das Jahr 850 n. Chr. Als Architekten des Königs wetteifern die Spieler, um ihren Herrscher zu beeindrucken und ihre Adelstitel zu verteidigen. Dazu errichten sie unterschiedliche Gebäude in seinem gerade erschlossenen Gebiet. Die Spieler sammeln Ressourcen, werben Lehrlinge an und haben ein wachsames Auge auf den Fortschritt ihrer Bauarbeiten. Es sind trügerische Zeiten. Die rivalisierenden Architekten schrecken vor nichts zurück, um den Fortschritt der anderen zunichte zu machen. Bleiben die Spieler tugendhaft oder befinden sich in ihren Reihen Diebe und Schwarzmarkthändler?

Spielbeschreibung beim Schwerkraftverlag
Spielübersicht über Architekten des Westfrankenreichs

Grundprinzip und Regeln

Das Spiel ist dabei ein klassisches Worker-Placment-Spiel, bei dem man seine Arbeiter auf verschiedene Stellen des Spielfelds bringt und dort Aktionen durchführt. Was es aber etwas spannender macht: Je mehr Figuren man dort schon stehen hat, desto größer ist der Ertrag der Aktion. Also bekommt man beispielsweise mehr Holz oder kann mehrfach Aktionen durchführen.

Damit man aber nicht nur zugucken muss, wie Mitspieler*innen immer mehr Figuren auf die Felder bringen und diese Boni damit grenzenlos ansteigen zu lassen, kann man diese gefangen nehmen. Die Arbeiter werden dann auf dem eigenen Spielerbrett außerhalb der Reichweite der Konkurrenten gelagert, bis man sie ins Gefängnis bringt und dafür noch gutes Geld bekommt oder bis der Gegner sie gegen Gebühr befreien lässt. Die Methode funktioniert ähnlich auch, um die eigenen Arbeiter zurück zu nehmen, wenn diese dann natürlich zurück in den Vorrat kommen.

Mit 20 Arbeitern ist man aber direkt zu Beginn schon gut ausgestattet, um die Bauarbeiten an der Kathedrale vorzubereiten. Also sammelt man Ressourcen, wirbt Lehrlinge an und baut Gebäude oder eben die nächste Stufe der Kapelle.

Spielziel

Ziel ist es am Ende des Spiels die meisten Siegpunkte zu erreichen. Dabei hilft besagter Bau an der Kapelle, aber auch der Bau anderer Gebäude, die sofort und oder im Laufe des Spiels weitere Boni oder Punkte bringen. Gebäude werden über Handkarten ausgespielt, die Kapelle über ein Stufensystem, bei dem für die höheren Fortschritte nicht nur mehr Ressourcen nötig werden, sondern auch immer weniger Spieler*innen diese erreichen können. Die höchste Stufe des Kathedralen-Baus kann beispielsweise nur eine Person erreichen.

Für all dies braucht man Ressourcen und bei Gebäuden auch passende Lehrlinge. Ressourcen kann man direkt über Arbeiter sammeln, Lehrlinge in der Werkstatt anwerben und aus einem Vorrat nehmen. Diese bieten dann zusätzliche Boni für bestimmte Orte auf der Karte. Mit Holzfällern können beispielsweise zusätzliche Baumstämme im Wald mitgenommen werden. Sie erfüllen also nicht nur Bedingungen für den Bau von Gebäuden, sondern helfen schon beim Sammeln von Ressourcen.

Spielbrett Achitekten des Westfrankenreichs

Schwarzmarkt, Steuern und Tugend

Weitere Ressourcen kann man auch auf dem Schwarzmarkt finden. Dieser ist auch der einzige Ort auf dem Spielplan, wo sich nur ein Arbeiter pro Feld positionieren kann. Die drei Felder des Schwarzmarkts bieten verschiedene Felder und er ist der einzige Moment abseits des Spielendes, wo man vom abwechselnden Positionieren von Arbeitern abweicht.

Wenn der Schwarzmarkt nämlich komplett gefüllt ist – und in machen Bauaktionen – wird dieser aufgeräumt, indem dort alle Personen im Gefängnis landen und der*die „kriminellste“ Baumeister*in wird bestraft.

Ein kleiner Nebenaspekt von Architekten des Westfrankenreichs ist nämlich die Tugend: Wer brav seine Steuern und Schulden bezahlt und an der Kathedrale mit baut, steigt in der Tugend. Wer sich verschuldet oder auf dem Schwarzmarkt und dem Schatzamt bedient, verliert sie. Am Spielende bringt Tugend weitere Siegpunkte oder kostet sie, je nachdem wo man sich auf der Leiste befindet.

Nette Auswirkungen der Tugend im Spiel: Wer wenig Tugend besitzt, kann sich nicht mehr an der Kathedrale beteiligen, spart aber durch Hinterziehung Steuern, während tugendhafte Baumeister*innen natürlich den Schwarzmarkt meiden.

Asynchrone Baumeisterin in Achitekten des Westfrankenreichs
Asynchrone Rückseite einer Baumeisterin. Oben rechts die spezifischen Start-Ressourcen und neben dem Namen die besondere Regel, dass bei Therese Marmor und Gold gleich sind.

Interaktivität und Solo-Spiel

Bei uns im Spiel mit zwei Personen fiel der Anteil der gegenseitigen Interaktion überschaubar aus. Patricks Zugriff auf das Schatzamt hat Kevin nicht wirklich geärgert und sonst wurden nur Arbeiter gefangen genommen. Auch hatten wir uns nicht wirklich etwas weggeschnappt. Aber im Spiel mit zwei Personen ist auch absehbar, dass dort weniger passiert. Darum sind wir sehr gespannt, wie es mit mehr Leuten abläuft.

Das Spiel kann man asynchron starten. Die Figuren haben alle eine besondere Fähigkeit und andere Startwerte, wenn man dies möchte. Hat unseres Erachtens das Spiel aber nicht wirklich komplizierter gemacht, also auch eher eine Kleinigkeit.

Patrick hatte auch eine Soloparty gespielt, hierbei gibt es zwei Schwierigkeitsgrade und man zieht einfach Karten mit Aktionen des Automa-Spielers. Es hatte das Spiel nicht wirklich verkompliziert und der Modus kann auch im 2 Personen Spiel genutzt werden, was wir aber nicht getan haben.

Wie es sich spielt

Architekten des Westfrankenreichs spielt sich schnell und entspannt für ein Eurogame. Es ist sehr nett, dass es keine vordefinierten Runden gibt, sondern es nur darum geht, wohin man den nächsten Arbeiter positioniert.

Man kann seine Aktionen gut vorplanen, die Abhängigkeiten halten sich in Grenzen und von daher kommt man ohne Hirnbrutzeln in gut einer Stunde aus dem Spiel heraus.

Die Regeln sind schnell erklärt und das tolle Spielbrett zeigt mit der Ikonographie immer direkt, was man an der jeweiligen Stelle tun kann oder an Ressourcen bekommt. Also läuft es sehr simpel, schnell und unkompliziert.

Es sei angemerkt, dass wir nur zu zweit gespielt haben und man sicher noch strategischer hätte spielen können, von daher kann sich das ein oder andere im Spiel mit 3 oder 4 Personen durchaus anders entwickeln. Aber das wird definitiv nochmal getestet und vielleicht auch die Erweiterung dazu genommen. Was sind eure Erfahrungen mit „Architekten des Westfrankenreichs“?

Das sagen andere

Nach einer Partei Architekten des Westfrankenreichs müssen die meisten Spielerinnen und Spieler erst mal tief durchatmen. Hohes Spieltempo und geringe Downtime haben fordern ihren Tribut. Genau das aber fühlt sich verdammt gut an und macht das Spiel zu einem gelungenen Vertreter seiner Gattung.

Brettspiel-Rezensionen (5 Sterne)

Durch die vielen Lehrlinge und Gebäude ist das Spiel abwechslungsreich und bietet einen guten Wiederspielwert. Auch die unterschiedliche Fähigkeiten der Spielertableau-Rückseiten ist Abwechslungs garantiert.

Abenteuer Brettspiele, Wertung 9,3

Von meiner Seite aus eine klare Empfehlung, wenn ihr ein flottes, unkompliziertes, aber dennoch pfiffiges Strategiespiel im klassischen Eurogame-Setting sucht!   

Spielkultisten, 8 Punkte

Unsere Spielrunde

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Fazit

4,5

Ein schnelles und schönes Worker-Placement-Spiel, das mit guten Kombos auffahren kann, mal ohne Rundenmechanik auskommt und kein Gefühl von Mängel erzeugt. Zu zweit fehlt vielleicht minimal der letzte Kniff. (Patrick hat aber trotzdem schonmal 5 gegeben :D)

Schwierigkeit der Regeln 3:
Von 1 (versteht WIRKLICH jeder) bis 5 (eigenes Studienfach)

Kein Familienspiel sondern schon im Kennerbereich mit ein paar kleineren Besonderheiten wie den gefangenen Workern, aber nicht kompliziert.

Spieltiefe/Komplexität 3:
Von 1 (sehr simpel) bis 5 (jeder mit Flipchart)

Man muss nicht ewig vorplanen, hat viele Optionen und kann seine Strategien, zumindest im Spiel zu zweit, gut verfolgen. Kein Brainburner aber schon Strategiespiel.

Wartezeit 2:
Von 1(Ligretto-Panik) bis 5 (ich koch mal Nudeln)

Bei uns wusste jeder eigentlich schon was er als nächstes tut, zu zweit ging es wirklich fix.

Spielmaterial 5:
Von 1 (schwarz-weiß print-to-play ohne Bilder) bis 5 (tausend tolle (und nützliche) Teile)

Der Grafikstil ist eigen, aber schön wenn man es mag. Abgesehen von den Münzen sind die Ressourcen alle aus Holz und vor allem die Symbolik ist super hilfreich und gut gemacht.

Thema 3,5:
Von 1 (Es gibt ein Thema?) Bis 5 (in eine andere Welt getaucht)

Jede:r kann an der Kathetrale mitbauen und die Felder sind stimmig eingebaut, wie so oft bleibt es aber ein Euro-Worker-Placement-Spiel.